Wir müssen reden: Warum mich Disney's Cinderella (2015) enttäuscht hat ... und 3 Haselnüsse für Aschenbrödel weiterhin meine Nummer 1 bleibt

Hallo zusammen am höchsten evangelischen Feiertag -für die meisten aber wohl eher einer von vier freien Tagen und vielleicht der erste Tag eines kurzen Osterurlaubs!

Kein Aprilscherz: Am ersten April hat Janus mich eingeladen, als Aufheiterung in die neue Cinderella-Verfilmung von Disney anzuschauen. Nicht nur aufgrund der Essence Trend Edition, sondern allgemein hat mich der Film interessiert, weil das Märchen an sich ja ein Klassiker ist und schon einmal wundervoll in der russischen Version "3 Haselnüsse für Aschenbrödel" und 1950 als Disney-Zeichentrickklassiker verfilmt wurde. Und Cate Blanchett statt als liebe, schöne Galadriel aus Herr der Ringe und der hobbit-Triologie mal als böse Stiefmutter Lady Tremaine zu sehen gefiel mir auch.

Vorab muss ich sagen: Ich bin keine absolute Kampffeministin, die überall im Genderbereich rumpöbelt. Über die "Herr Professorin"-Geschichte habe ich auch gekichert und bei der von EMMA geforderten Pilotinnen-Quote nach dem Motto "mit einer Pilotin wäre das nicht passiert" nur den Kopf geschüttelt. Denn ja, eine Frau mit Depressionen würde meiner Meinung nach nicht Pilotin werden. Natürlich ist der Flugzeugabturz tragisch und erschütternd und deswegen sollte auch in Deutschland und Europa über eine Regelung nachgedacht werden, damit sich ein solch tragisches Ereignis nicht noch einmal ereignen kann.
Aber in der heutigen Zeit ist es ja wohl angebracht, mal ganz vernünftig über Dinge wie eine RICHTIGE Frauenquote und gerechte Löhne zu diskutieren, halte ich für angebracht. Denn ich kenne viele smarte Menschen, nur leider werden oft und immer wieder Frauen benachteiligt oder in Klischees gedrängt, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Selbst mir persönlich wurde schon das ein oder andere Mal angeraten, dass ich als smartes Mädchen doch lieber eine gute Partie machen sollte statt mich um eine eigene Karriere zu können. Okay, der ein oder andere Exfreund von mir war ein Schluffi, der keinerlei Ehrgeiz oder Antrieb hatte und der sich gern hätte von mir Aushalten lassen. Leider kenne ich auch einige in meinen Bekanntenkreis, die einen Zweit- und Drittjob haben müssen, um einen Schluffi oder Schluffi-Ex mit durchzufüttern. Die jeweiligen Typen sehen das natürlich anders .... ihr wisst schon. Ich bin ganz froh, dass ich inzwischen nicht mehr so jung und doof bin wie vor fünf oder sechs Jahren und nun in einer Beziehung, in der ich ganz einfach sage: "Nö, regel deine Probleme alleine. Ich regel meine auch alleine. Und wenn jeder sein eigenes Leben geregelt hat, haben wir dann eine Partnerschaft ohne Abhängigkeiten voneinander."

Nun gab es von Disney schon viele tolle Verfilmungen, die starke und selbstbewusste Frauen gezeigt hatten: Mulan, Pocahontas, Kiss the frog ... viele selbstbewusste Frauen, die nicht einfach nur einen Prinzen wollen, sondern die Natur lieben, selbst etwas im Leben erreichen oder aufbauen wollen.

Vielleicht bin ich deshalb mit falschen Erwartungen in den Film gegangen und hatte gehofft, dass die Realverfilmung des Zeichentrickklassikers von 1950 eine moderne Komponente gegeben wurde, eine, bei der Cinderella eben nicht nur das arme Ding ist, dass einen schmucken Prinzen bekommt, weil sie eben eine gute Fee hat.

Lily James als Ella ist ein unverbrauchtes Gesicht und hat gut das immer lächelnde und nie an der Stiefmutter und den bösen Stiefschwestern verzweifelnde Ding gespielt, Janus fand sie allerdings nicht besonders hübsch. Warum genau, kann ich auch nicht genug sagen, er fand ihre Taille unnatürlich dünn, aber ich meinte, das könnte an den Kostümen liegen. Auch der Teil war schön, dass der Prinz "Kid" und Ella sich im Wald kennengelernt haben statt erst auf den Ball und das sie eben nicht an den Prinzen, sondern an dem Lehrling Kid interessiert war und er als Prinz wusste, dass sie es im Gegensatz zu ihren Stiefschwestern es nicht auf seinen Titel und das königliche Leben abgesehen hat. Das war ein ganz schönes Bild.

An sich war der Film ganz süß gemacht. die Mäuschen, mit denen Ella spricht, das wundervolle Elternhaus, das kleine süße Cottage auf dem Lande. Helena Bonham Carter in kleiner Rolle als gute Fee. Die Kostüme. Alles zauberhaft.
Aber die Moral des Films? Eher 1950 als 2015. "Sei mutig und freundlich". Das mag schön sein. Und sicher: Freundlichkeit ist eine Tugend. Egal, wie schlimm dein gegenüber ist - es ist immer gut, eine gewisse Haltung zu bewahren und immer freundlich und umgänglich zu bleiben. (Etwas, was viele User im Web 2.0 wohl vergessen, wenn man so manche Diskussion auf Facebook, Twitter oder unter Youtube-Videos verfolgt.) Aber Freundlichkeit allein? Ich muss ehrlich gestehen: An der Stelle von Ella wäre ich, wie Ella im Film auch von einer ehemaligen Bediensteten empfohlen wird, von dem alten Haus weggegangen und hätte mir etwas eigenes aufgebaut. Auch in diesem fiktiven 17./18. Jahrhundert in einem fiktiven Europa gäbe es einige bessere Jobs als Allroundbedienstete für zwei verzogene, talentfreie Stiefschwestern und eine böswillige, lasterhafte Stiefmutter, bei der man nicht so recht weiß,was Ellas Vater an ihr fand und warum es ausgerechnet diese Stoffhändlerswitwe sein musste und nicht irgendeine andere Witwe.

Vielleicht erwarte ich zu viel, weil die Vorlage von Aschenputtel das nicht hergibt, weil man anders als bei Rapunzel kein Stockholmsyndrom von Rapunzel mit der bösen Hexe hat, was die Beziehung zwischen Gut und Böse vielschichtiger macht, da eben Rapunzel all die Jahre dachte, dass diese selbstsüchtige frau ihre Mutter sei und sie liebe, obwohl es nur ihre Zauberhaare waren, die sie wollte, um ewig jung und schön zu bleiben. Gegen ein Happy End habe ich nichts - auch, wenn wir spätestens seit "Into the Woods" durch den untreuen Prinzen wissen, dass da noch manch anderes Problem kommen kann, sobald man sein glückliches Ende hatte.

Und es liegt auch nicht an den schauspielerischen Leistungen - Cate Blanchett spielt hervorragend, im Grunde alle. Aber es ist mir alles zu schwarzweiß, zu ausgelutscht. Lady Tremaine ist eine wundervolle Bösewichtin, sie amüsiert sich gern und nutzt Männer und später Ellas Gutmütigkeit aus, um sich ein faules und gemütliches Leben zu machen. Und sie hasst Ella, weil sie so schön ist und noch ihr ganzes Leben vor sich hat? Naja, dafür ist Lady Tremaine clever und zwar böse, aber sie weiß, was sie will.

Viele schöne Bilder, schöne Animationen und Kostüme, wie ein rosa Glitzercupcake. Aber wenn ich reinbeiße, ist es einfach nur süß, so süß, dass einem ganz pelzig im Mund wird. Bei mir hinterlässt die Verfilmung einen bitteren Nachgeschmack, denn ich hätte mir eine stärkere Ella gewünscht. Eine, die nicht nur in einen "Lehrling" statt in einen Prinzen verliebt ist, sondern ein Aschenbrödel wie einst, dass besser schießen kann als der Prinz und sich nicht vom Prinz einfach heiraten lässt, sondern immer den Prinzen ein Stück alt aussehen lässt und auch die Stiefschwester/n und Stiefmutter hinter sich lassen kann. Für mich ist und bleibt "3 Haselnüsse für Aschenbrödel" die bessere Verfilmung, weil sie einfach mehr Witz und Tiefe hat und trotz des Alters mehr am Nerv der Zeit ist.

So mancher mag von diesem Märchen vollkommen verzaubert sein, aber mir gefällt es persönlich nicht, dass die Verfilmung wirklich nah an der Zeichentrickverfilmung von 1950 und den damaligen Wertvorstellungen samt Frauenbild ist.
Ich glaube nur an die gute Fee in uns allen, die Wunder vollbringen kann, wenn wir an uns glauben, mutig sind und eben nicht nur freundlich und zurückhaltend bleiben, sondern selbstbewusst durchs Leben gehen und uns auch mal gegen die Lady Tremaines dieser Welt zu wehr  setzen.
Für mich ist die Wahl klar: Mit meinen Kindern würde ich lieber die UDSSR-Verfilmung gucken. Sorry, Disney. Das könnt ihr besser. Ich bevorzuge trotz rasierten Robb Stark als Prinzen, der stoppelig auch den bitteren Beigeschmack der Bluthochzeit bei den Freys hätte, die emanzipierten Prinzessinnen der modernen Disneyprinzessinnen.

1 Kommentar:

  1. Ich fand Ella zwar auch etwas blass, andererseits gibt es aber schon so viele Verfilmungen mit einer durchsetzungsstarken Cinderella, etwa "Auf immer und ewig", den ich sehr sehr gerne mag. Das Aschenputtel aus dem Märchen ist nicht so, da tut sie letztlich gar nichts außer auf den Ball zu gehen. Die meisten neueren Verfilmungen machen aus einer sehr passiven Hauptfigur eine sehr aktive. Das ist nah am Zeitgeist, aber fern vom Märchen wie es geschrieben und überliefert wurde. Hier blieb man näher an der Tradition. Das ist legitim. Allerdings fand ich im Gegensatz zu anderen Filmen nicht ganz nachvollziehbar, dass sie sich verlieben, es ging nicht so sehr ans Herz. Meine Favoriten werden daher auch "Auf immer und ewig" und "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" bleiben. Aber ich finde es in Ordnung, sich am Originalmärchen und nicht an anderen, modernisierten Varianten zu orientieren. Zumindest soll sie ja auch nicht nur freundlich und duldsam sein, sondern auch mutig. Das heißt für mich: Gehe deinen Weg, aber tue es nicht mit Ellenbogen und auf Kosten anderer. Das ist doch eine Moral, mit der man aich heute nich etwas anfangen kann. Etwas mehr Charakter hätte aber beiden nicht geschadet. Mein Problem mit dem Film, den ich schön, aber nicht großartig fand war eher, dass ich nicht so recht wusste wer die beiden eigentlich sind und daher eher aus der Distanz beobachtet als mitgefühlt habe - im Gegensatz zu den anderen beiden genannten Filmen. Die Charakterzeichnung war bei Cinderella leider dürftig.

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