Eine Antihaul

Würde ich Hauls machen, könnte ich euch derzeit ganz anglizistisch formuliert nur Foodshopping zeigen. Lebensmittel. Eben das täglich Brot oder Ober und Gemüse zeigen. Eben das, was man zum täglichen Überleben braucht und das ist nicht viel. Brot, ab und an Toast oder Porridge, Belag, Backzutaten, Basics wie Nudeln, Kartoffeln, Reis. Mal Milch oder Joghurt. Nichts Weltbewegendes oder Dinge, die ein Video wert wären. Süßigkeiten sind Luxus und ich bin auch kein Fan von Naschkram, der täglich Schoki bräuchte. Von frischen Obst oder einem ordentlichen Abendessen nach der Arbeit habe ich mehr. Und ich liebe Marmelade morgens. Also kann ich maximal zeigen, was ich so kaufe und dann verspeise.

Aber so eine Fashion Haul mit Tüten voller Kleidungsstücke oder gar Beauty? Wenn ich zum DM gehe, kaufe ich Waschmittel und maximal noch ein paar Rasierklingen oder Rasierschaum oder mein Shampoo nach. Die immer gleichen 3 bis 4 Produkte also. Ich schminke mich nicht zur Arbeit, ich besitze grnug und habe den Großteil meiner Schminksachen an eine Freundin verschenkt.

Okay, ich wollte nächsten Samstag in Berlin zum Shades of Pink Shop ... aber da gibt es auch keine großen Kauforgien - vielmehr hoffe ich auf Tester zu Sleek Produkten .... ich bin eben nicht mehr so auf Kaufrausch wie ich das mit 16 oder 17 der auch noch mit 19 war. Mir bereitet eben ein gemeinsamer Kochabend (heute gibt es Pizza) viel mehr Freude als tütenweise Zeug, dass nur rumliegt oder rumhängt und verstaubt. Natürlich, ab und an brauch man mal ein neues Top, einen neuen Pulli. Diesen Monat eine neue Mütze und einen Badeanzug, vielleicht eine Bluse, aber da suche ich schon seit Monaten. Aber alles in allem habe ich alles, was ich brauche. Es gibt Dinge, die sind viel wertvoller als der blanke Konsum. Freude kann ich mir ohnehin nicht kaufen. Freude kann ich nur empfinden, wenn ich lebe und mir das Leben möglichst angenehm gestalte. Und dabei sind Schminke, das neuste Smartphone oder teurer Markenkram aller Art nicht zwingend notwendig. 

ich finde allgemein auch diesen moralischen Zeigefinger zum Kotzen - egal, ob Primark oder nicht. Was macht andere Ketten wie Ikea oder H und M denn moralisch besser als Primark? Bei den einen kaufen ist böse, aber Konsum muss ja sein ... was ist das für eine Doppelmoral? Wenn eben all diese Unternehmen der Bekleidungsbranche doch eben in genauso hohen Auflagen genauso minderwertige Ware in Ausbeutungsbetrieben herstellen? Wieso kann man nicht dann erst einmal bei vielen Dingen auf Alternativen wie Second Hand/Kleiderkreisel/Oxfam zurückgreifen?

Ist mein Gedankengang so falsch, einfach bewusst auf überflüssigen Konsum zu verzichten? Und eben mit weiteren Gedanken zu spielen, wo man Konsum noch weiter reduzieren oder eben eigenen Ballast loswerden kann?


Das, was ich im Grunde an dieser Haul Kaufen und Zeigen Kultur so schade finde, ist, dass es eben in unserer Gesellschaft nicht um eine tolle Persönlichkeit oder besondere Fertigkeiten und Stärken geht, sondern der blanke Konsum im Vordergrund steht. Und der ist eben Massengeschmack, die Menschen dahinter auch austauschbar?

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