Göttingen für Anfänger: Weltladencafé Göttingen

Gestern war ich mal wieder nach Ewigkeiten in meinem liebsten Weltladencafe in Göttingen. Der Kaffee ist wirklich gut und fair Trade, die Atmosphäre sehr nett und ruhig, es gibt Freifunk, also gratis Wlan und die Hängematten sind der Hammer. Quasi einfach in einer Hängematte sitzen und die Seele baumeln lassen. Zwischen all den hippen Laďen und Bäckereiketten ist das kleine Café mit Verkauf von Fair Trade Produkten und veganen Brownies ein kleiner Geheimtipp und vor allen Dingen eine wahrliche Oase der Ruhe zwischen all den Getümmel samstagsmittags in Göttingen. In Hannover habe ich leider noch nichts Vergleichbares gefunden - für Tipps bin ich immer dankbar. Einzig das trust in Amsterdam hat eine ähnlich schöne und herzliche Atmosphäre.

Die Zeit habe ich zum dgs (= deutsche Gebärdensprache) wiederholen genutzt. Das Coole am Weltladen ist das soziale Engagement dort. Es gibt dort z. B. im Ladeneingang ein oft gut gefülltes Foodsharing Regal (weil das Containern angeblich inzwischen sehr schwer sein soll, ist das eine nette Alternative) und ein Refugees Welcome Café. Und ja, ich hab den Kaffee selbst und voll bezahlt. Keine bezahlte Werbung oder so. Tatsächlich war ich einst ein kleiner Teil des Weltladenkosmos und habe dort ein bisschen karikativ gearbeitet - so wie jeder in diesem Kollektiv. Seitdem gibt es allerdings viele tolle und neue Projekte ubd ich denke, dass ich auch einmal einfach so Projekte toll finden und euch da draußen zeigen darf.


Was sagt ihr dazu?


Oder ist nach all den Sponsoring und bezahlter Werbung auf YouTube nichts mehr glaubwürdig im Internet, über das man schreibt, dass man es toll findet?



Als ich dieses Foto bei Instagram mit eine gekürzten Version dieses Textes postete, kam leider als Allererstes ein solcher Kommentar. Hm. Irgendwie die sehr klischeebehaftete Meckermentalität der Deutschen. Soll ich angesichts dessen lachen oder weinen?


Dazu kann ich persönlich Folgendes sagen:
Ich meine mich zu entsinnen, dass es etwa vor 2 bis 3 Jahren genau in Göttingen ein Gerichtsurteil zum Thema Containering gab. Demnach ist es rechtlich gesehen Grauzone. Einerseits ist es laut dem Urteil kein Diebstahl, weil weggeschmissen als "kein Eigentum des Ladens" mehr gilt. Durch das Wegschmeißen gibt man den Besitz auf. Allerdings ist das Betreten von Privatgelände Hausfriedensbruch, da man ein fremdes Grundstück ohne Befugnis zwangsläufig betreten muss, wenn man bei Rewe, Tegut, Lidl, Aldi und Co containern möchte.

Nein, ich muss leider enttäuschen - ich war nie containern, aber ich kenne durchaus Menschen, die das schon einmal getan haben und an sich ist es ein gutes Statement gegen Verschwendung. Aber laut dieser Menschen soll zumindest in Göttingen es schon ab 2010/2011 schwierig gewesen sein, da die Supermärkte ihre Müllcontaine abschließen oder so lagern, dass man von außen nicht rankommt.

Und das Tolle an einem Foodsharingregal ist eben, dass dort auch Läden oder Veranstaltungen Reste vorbeibringen. Statt immer mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger durch die Welt zu wandeln und "Du du du!" zu schimpfen wurde hier also eine positive Antwort zu eben rechtlich nicht eindeutig geklärten Aktionen gefunden, die an sich aber ein gutes Statement gegen unsere absurde Verschwendungsgesellschaft ist.

Weiterführende Links:

Zu einem Containerprozess von 2013/14 in Eschwege/Witzenhausen:
http://m.welt.de/vermischtes/article124973018/Drei-Monate-Gefaengnis-fuer-den-Diebstahl-von-Muell.html

Sat1 Bericht zum Fairteiler Regal in Göttingen:
http://www.sat1regional.de/aktuell/article/fairteiler-in-goettingen-ein-regal-rettet-lebensmittel-vor-dem-muell-177778.html

Bericht vom Göttinget Tageblatt:
http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Goettingen/Uebersicht/Erster-Fairteiler-fuer-Lebensmittel-in-der-Nikolaistrasse-Goettingen

1 Jahr Fairteiler in Göttingen:
http://www.die-wochenblaetter.de/goettingen/lokales/ein-jahr-fairteiler-in-goettingen-lebensmittel-fuer-alle-d7422.html

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