Das digitale Jammern auf hohen Niveau

Manchmal hat man diese Tage. Da ist alles doof, da mag man sich im Spiegel nicht mehr ansehen und will ohnehin alles kaputtmachen. Jeder von uns kennt diese Tage, ich musste mich ja just, wie ihr vielleicht auf Instagram gelesen habt, über meine Wohnung aufregen - zum Glück!! Wäre ich länger tolerant gewesen, würde sich jetzt nichts ändern. Leider muss ich euch gestehen, dass mir meine digitale Nonpräsens und die frische, neue Luft in Hannover gut tut. 40 Stunden die Woche in einem Job zu arbeiten und davon um die Runden zu kommen ist nach den nicht so fetten Jahren mit viel Theater und Theaterprojekten ein sehr entspanntes Gefühl. Es ist schön, wie viel Zeit ich mit entspannenden Dingen verbringen kann. Ich habe erst im Herbst Zentangle und kürzlich Urban Sketching für mich entdeckt. Beides sehr entspannend. Ich kann gerne darüber berichten, wenn ihr mögt - auch, wenn es keine Schminke ist. 


Eine Freundin von mir ist dagegen noch immer sehr aktiv in der Welt des digitalen Beautyaustauschens. Nennen wir sie jetzt mal Maya und ja, ich habe Mayas Erlaubnis, darüber zu schreiben. Denn als Maya und ich uns kürzlich getroffen haben, musste sie sich ein bisschen bei mir ausheulen und es kam mir ein bisschen so vor, als würde sieLifewithMelina in diesem berühmt-berüchtigten Berlinalevideo von vor einem Jahr zitieren. "Es ist so schlimm, ich muss ja alle paar Tage inhaltlich was abliefern, meine Abos verschwinden sonst im Nichts, die Konkurrenz ist zu groß und ständig kommen neue Beautymädels hinzu, man möchte ja auch weiter auf Events eingeladen werden, aber oft kriege ich gar keinen Urlaub ... würde ich doch noch studieren ..."
"Warum machst du nicht einfach eine Pause, Maya? Und fährst für ein Wochenende weg, ganz ohne  Kamera und Handy machst du aus.", war meine Antwort. "Du machst dir Stress wegen deinem Hobby. Und dazu ist ein Hobby nicht da."

Sagen wir es mal so: Ich bin auch kein Kind von Traurigkeit, was karitative Arbeit und viele, viele Hobbies angeht. Als Kind waren der Montag zum Glück meist frei, Dienstag Chor und Gesang, Mittwoch Gospelchor, Donnerstag klassischer Chor, manchmal auch Einzelunterricht, Freitag Posaunenchor und Klavierstunden, zwischendurch hatte ich dann auch mal Gitarrenunterricht, diverse Sporthobbies und in den letzten Schuljahren habe ich dann fast täglich nach der Schule meine Bahnen im Schwimmbad gezogen. Alles in allem sehr voll, aber Hobbies mit tollen Menschen, einer tollen Gemeinschaft und meist nicht zu voll - außer halt dem Dezember, der Dezember war immer der Stressmonat, in dem meine Noten in den Keller gingen. ;)
Und nach der Schule? 
Da hatte ich erst Unicante, den großen A capella Chor des Studentenwerks Göttingen und dann hat mich das Theater gefangen, gefressen und erst 2014/2015 wieder ausgespuckt. Und nein, ich bereue nichts davon! Ich habe studiert, hatte 1-2 Nebenjobs, hatte Theaterprojekte und habe euch zeitweise mit Blogposts und Videos beliefert. Da blieb nicht viel Zeit für "Freizeit" - aber alles bis auf Studium um Arbeiten zum Erhalt der finanziellen Mittel war eben Hobby und keine Arbeit. Natürlich, im nachhinein betrachtet ist man danach immer schlauer. Natürlich könnte ich Jammern, dass ich 2013 auf Bloggerevents war und trotzdem noch 60 Stunden die Woche alles mögliche gemacht habe, da damals mein Regiedebüt im Gange war, ich bei mehreren Produktionen assistierte und eigentlich alles irgendwie gleichzeitig machen wollte. Aber naja. Der Drops ist gelutscht. Daran, dass 2013 stressig war, kann ich jetzt nichts mehr ändern. ich weiß nur für die Zukunft, dass ich es in ähnlichen Situationen der Zukunft anders machen werde. Und nebenbei habe ich ja auch viel bekommen - ich durfte auf einem Essence und Catrice Event sein, habe tolle Leute getroffen, war Teil von 4 genialen Theaterproduktionen, die allesamt sehr gelobt wurden. Ist das nicht genug Lohn und macht den Stress wieder weg?
Aber was hat meine Freizeitgestaltung mit dem Jammern meiner Freundin zu tun?

Immer wieder höre, lese, sehe ich das "Besoffen auf Facebook"_Phänomen in Form von in Rage schreiben und Selbstmitleid bei vor allen Dingen Youtubegrößen, aber auch ab und an im Austausch wie mit Maya. Ja, die Szene hat sich schon seit 2009 stark verändert, da würden mir sicher viele von euch, die auch schon lange mit dabei sind, zustimmen. Die Ansprüche steigen, der Druck steigt. "Trotz weit über 40std arbeitswoche."-Kommentare liest man allerorts und vielleicht ist das ja der Fehler? Bloggen oder Youtube machen die wenigsten als Vollzeitberuf. Sorry Mädels, wir sind keine Sami Slimanis. Und ich möchte nicht 99% auf mein Äußeres reduziert werden, sondern freue mich, wenn ich mit meinem Köpfchen Geld verdiene und dann auch nicht jeden Tag ein neues Beautyprodukt fressen kann. ;) (Ach ja, ich liebe "Du bist schön" von Alligatoah ... it's funny 'cause it's true!) 

Bloggen oder Youtube - Das hier ist ein Hobby, ein schönes, es macht Spaß, über Instagram oder Twitter oder via Videos mit euch zu kommunizieren - auch, wenn sowohl Maya als auch ich nicht Weltstars werden. Wir haben unsere Arbeit, unser analoges Leben, welches im Verborgenen bleibt und wir mögen es, Erfahrungen zu teilen und wenn man gratis Produkte zur Verfügung gestellt bekommt, umso besser. Aber sich selbst unter Druck setzen? Ich wünsche das keinem Blogger oder Youtuber der Welt. Ein Hobby sollte Freude machen, denn Stress ist nichts Gesundes. Und ich hoffe, weder maya noch sonst wer fühlt sich von diesem Blogpost angegriffen.

Habt einen schönen Sonntag!

PS: Nächste Woche bin ich leider im (wahrscheinlich wlanlosen) Kleinkaff, danach kümmere ich mich um einen neuen Laptop, ja Laptop, denn Bloggen mit Tablet ist irre anstrengend und ich bin ein Steinzeitdino und finde Arbeiten mit einer "echten" Tastatur besser. ;)

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