Zoo Hannover und die Elefanten - ODER: Morddrohungen gegen Zoowärter und Fleischer

Im Internet wird oft nicht die Meinung der breiten Bevölkerung gehört, eher die Meinung jener, die am lautesten schreien.

Tiere und Menschen, das sind empfindliche Themen. Hier in Deutschland durchaus ein schwieriges Thema, über Tierethik zu reden. Und es ist doch auch wirklich schwierig:
Einerseits regt sich die Allgemeinheit auf über einige Elefanten, die geschlagen werden und sofort hagelt es Morddrohungen gegen Pfleger des Zoos Hannover. Der Zoo Hannover dementiert die Vorwürfe, sie würden Tiere quälen, das gezeigte Material sei anders zusammengeschnitten als es in der Realität vorkäme und die Schläge dienen dem Training.

Andererseits sterben jeden Tag Tausende, Abertausende Nutztiere ohne vorher ein schönes Leben gelebt zu haben und es interessiert keine Sau oder zumindest einen Großteil der Menschen.  Dieser Beitrag soll nicht mit moralisch erhobenen Zeigefinger daherkommen, aber schon die Kluft zeigen, die zwischen den einen Tieren wie Elefanten und den anderen Tieren wie Schweinen im Bewusstsein der Menschen herrscht.

Natürlich, das Eine rechtfertigt nicht das Andere und andersrum.
Aber die Fragen, die hier relevant sind, sind:
  • Brauchen wir Elefanten in Zoos?
  • Was ist artgerechte Haltung für Tiere in Gefangenschaft?
  • Wie kann man die Haltung von Nutztieren transparenter und lebenswürdiger machen?
  • Wie kann man ein Bewusstsein schaffen, dass eben nicht nur "niedliche Tiere" Leid und Misshandlungen erfahren? (Auch, wenn mein Mann Schweine unglaublich niedlich findet)
  • Ist eine Nutztierhaltung, die dem Tier gerecht wird, überhaupt im industriellen Ausmaß möglich? Was erkennt man Tieren an Rechten zu?



Elefanten und Schläge, Pferde und Schläge

Als Dorfkind kenne ich einige Reiter und erinnere mich an Diskussionen, in der auch oft Reiter kritisch darüber diskutierten, ob man als Reiter unbedingt eine Gerte einsetzen müsse. 
Die Einen: Wenn es nicht funktioniert bei dem Pferd, warum dann weiter schlagen?  Schlagen ist Tierquälerei, geht es nicht ohne?
Die Anderen: Ist halt Mittel zum Zweck, man muss die Tiere ja unter Kontrolle haben.  Ohne Gerte geht es nicht.

Ob Pferde oder Elefanten: Wahrscheinlich ist es auch Sicht des Pflegers erst einmal wichtig, dass die Sicherheit der Tierpfleger vorgeht - und diese eben als Bezugspersonen autoritär sein muss. Dies wäre für mich das einzige Argument. 

Allerdings frage ich mich persönlich, ob das mit den Kunststückchen von Elefanten in Zoo und Zirkus sein muss. Oder allgemeiner: Müssen Elefanten in Zoos allgemein sein? Haben Menschen einen Mehrwert davon, sich Tiere in Gefangenschaft anzugucken? Als ich 7 oder 8 war, wurde ich selbst bei einem Zirkusbesuch in Cuxhaven Zeuge eines Elefanten, der während der Pause ausgerastet ist, weil er bei einer Pause Fotos (mit Blitz) mit den Kindern machen sollte - alle anderen Tiere sahen auch sehr unglücklich aus und mein Opa erklärte mir anhand der anderen Elefanten, was Hospitalismus ist.
Die Tierhaltung zu Unterhaltungszwecken sollte also vielleicht an sich überdacht werden? Eine Überlegung ist es zumindest wert.

Interessiert kein Schwein

Während Zootiere und Haustiere oft sehr in Schutz genommen werden, wenn es um Tierquälerei geht, haben leider Nutztiere, die täglich auf dem Brot und in der Pfanne landen, ganz objektiv nicht so viel zu lachen. Ich selbst lebe unweit der Region, die ich selbst einst "den Güllegürtel" getauft habe - eine Region in Niedersachsen, in der es unzählig viele Schweinemasten gibt.

"Im Landkreis Vechta umfasst ein durchschnittlicher Bauantrag mittlerweile 3000 Mastplätze. 1996 waren es noch 400 Plätze." heißt es in einem Onlinebeitrag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und lässt die Dimensionen der heutigen Ställe erahnen. Die Medien berichten ab und zu auch darüber, aber eher spärlich und so ist es kaum verwunderlich, dass die breite Masse der Bevölkerung das Wohl von Schwein, Lamm, Huhn und Rind relativ egal ist, denn es wird ja nicht jedes Mal darüber berichtet, wenn ein Schwein auf dem Weg zur Schlachtbank oder davor schlecht behandelt wird.

Mein Mann berichtete in seinem FSJ darüber, dass sie einen Hof besuchten - die Bauern dort züchten eine alte Schweinerasse, die kurz vorm Aussterben ist. Um dies finanzieren zu können, halten sie auch einige andere Schweine mit artgerechter Haltung und machen daraus Wurst, die sie samt Foto von dem Schwein auf der Verpackung verkaufen - damit der Verbraucher weiß, dass das Schwein ein gutes Leben hatte.
Diese Wurst wurde auch verkostet, mein Mann als Vegetarier kostete nicht, bemerkte aber eine junge Frau, die in Tränen ausbrach, da sie die Vorstellung derart schrecklich fand, ein Tier zu essen, deren Gesicht sie kenne, das könne sie einfach nicht.
Nicht einmal 45 Minuten später saß sie in der Unterkunft und die Tränen waren vergessen, die biss herzhaft in ein Schnitzel Wiener Art - aus Schweinefleisch. Aber eben eines der gesichtslosen Art.

Der wütende Mob auf Facebook

Während also bei den meisten das Essen von Tieren einfach von klein auf recht normal ist und nicht hinterfragt wird, geradezu emotional darauf reagiert wird, wenn man einem die Wurst vom Brot madig machen will, gibt es diese kleinen, geschlossenen Facebookgruppen zum Thema vegan und Massentierhaltung, in denen tagtäglich viele Morddrohungen und Verwünschungen formuliert werden, immer wieder Bilder von PeTA und Co gepostet werden.

Tiere, die früh sterben und kein schönes Leben vor der Schlachtbank hatten - das ist leider Realität, aber anderen Menschen den Tod zu wünschen stoppt auch keine Tierquälerei. Statt also sich laut zu beschweren kann man auch einfach mal aktiv werden und gucken, ob man in seiner Gegend solidarische Landwirtschaft o. ä. unterstützen kann. Ich meine, immer nur angepisst zu sein macht kein Tier wieder lebendig. Ist die Frage, wie man der Allgemeinheit eine ethische Vorstellung, die durchaus eben Ethik ist, aber nicht in der alltäglichen Moral enthalten, eben an jedermann bringt. Ich glaube nicht, dass Belehren und Verbot der richtige Weg ist, allein schon, weil es nicht nur ethische Argumente gibt, weshalb ein Großteil der Industrienationen seinen Fleischkonsum per Kopf drastisch eingeschränkt werden sollte.
Auch die Umwelt oder die wachsende Weltbevölkerung stellen die Produktion von Fleisch vor weitere Herausforderung, da es nun einmal ökonomisch gesehen Fakt ist, dass es ökonomisch gesehen effizienter ist, Pflanzeneiweiß zu produzieren für den Endverbraucher als Pflanzeneiweiß an Tiere zu verfüttern.

Die vegane Masse?

Immer wieder lese ich auch, dass Menschen auf Facebook meinen, heute gibt es keine Veganer oder Vegetarier mehr, alle würden nur noch Fleisch oder immer mehr davon essen.

Ich habe zwei verschiedene und gegenläufige Beobachtungen gemacht:

Ein Großteil meines Umfeldes ernährt sich vegan oder vegetarisch und seit meiner Kindheit ist das stetig angestiegen - während ich als Jugendliche wirklich die einzige in meiner Klasse war, die auf Fleisch verzichtete, sind es heute deutlich mehr und auch das vegane/vegetarische Angebot wurde deutlich ausgebaut.  Einige meiner vegetarischen Freunde und Verwandten wollen nicht auf das neuerdings weit verbreitete Pseudofleisch verzichten, mein Mann und ich hingegen ernähren uns durch Linsen, Pseudogetreide und andere pflanzliche Eiweiße ausgewogen ohne teures Geld für veganes Pseudoschnitzel auszugeben - einerseits mögen wir den Geschmack des Kunstfleisches nicht, andererseits ist so ein Pseudofleisch auch deutlich teurer als Linsen oder Bohnen.

Andersrum kenne ich auch zu speziell der Generation der Nachkriegszeit viele ältere Menschen, die wirklich anti-vegetarisch eingestellt sind und täglich Fleisch essen, gar krasse Fleischorgien feiern mit Hackbraten und Schweinshachsen tagtäglich, eben weil Fleisch damals Luxus war und es wenn überhaupt mal alle 1-2 Wochen Fleisch gab und man es sich jetzt ja leisten kann, ein Zeichen von Wohlstand. Und ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man da als Veganerin wirklich nicht mit diesen Menschen reden kann, die ich kenne - im Gegenteil, man wird als "krank" bezeichnet, es wird einem Fleisch ins Essen gemischt ... ich denke, das diese Generation sich weder Butter noch Wurst vom Brot nehmen lässt. Andererseits steigt bei jüngeren Bevölkerungsgruppen da durchaus die Toleranz und das Verständnis für fleischlose Ernährung steigt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

INSTAGRAM FEED

@aufgerouget