Menstruationstassen - ja oder nein?

Viele Männer reagieren angeekelt, mag man bei diesem Thema denken, aber nein, ebenso Frauen haben oft scheinbar ein Problem damit. Sind wir doch eigentlich spätestens seit "Sex and the city" genug aufgeklärt, dass man über Sex und alles, was dazugehört, offen reden kann, ist es scheinbar heute so, dass offen über die Periode reden ein Tabuthema ist.

Und das ist eigentlich ein Jammer, denn so sind auch Themen wie Nachhaltigkeit bei der Periode oder weit verbreitete Krankheiten wie Endometriose eher unbeliebte Themen beim Smalltalk. Heute breche ich mal das Schweigen. Natürlich, auch ich mal war jung, habe überraschend meine Tage bekommen und dann peinlich berührt meine Mutter herumfragen lassen mit 13, ob jemand Tampons mithat, weil mir das zu peinlich war. 

Ganz natürlich
Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran, dass der Körper so ist, wie man ist. Bei all der Gleichberechtigung: Jungs haben eben mit Problemen wie nächtlichen Samenerguss, Morgenlatten und Vorhautverengung zu kämpfen und wir Frauen haben Krämpfe, unsere Periode und hormonschwankungsbedingte Pickel. Aber während die Männer nur bei bedarf den Facharzt aufsuchen, ist bei uns Frauen ein Frauenarzt Pflicht und oft auch die Verhütung Frauensache. Und so ist es natürlich nicht verwunderlich, dass wir uns automatisch auch mehr mit unserer Periode auseinandersetzen.

Tampons und Binden
Mit Binden verbinde ich eher unappetitliche Erinnerungen, denn in der Grundschule war es zu meiner Zeit in den 90ern verbreitet, dass die Kinder, die Durchfall hatten, Mamas Binden trugen als Sicherheit, wenn sie noch etwas lädiert wieder die Schule besuchten.
"Einfach laufen lassen" fand ich dermaßen unangenehm, dass ich Binden immer nur als Auslaufschutz bei Nacht getragen habe, aber nie ohne Tampons.
Allerdings waren Tampons auch nicht so das Wahre. Natürlich, das Blut fließt nicht einfach aus die raus in der Schule, beim Sport, beim Schlafen - das empfinde ich persönlich als deutlich angenehmer. Aber auf der anderen Seite hieß das auch oft, dass man untenrum ein Trockenheitsgefühlt hatte, beim Sex wenig ging ohne Gleitmittel und manchmal gar ein Wundheitsgefühl oder eine Pilzinfektion vorprogrammiert war. Tampons sind insofern schon ein ziemliches Eingreifen in unsere inneren Vorgänge und ich kann dann durchaus verstehen, dass viele Binden bevorzugen.

Müll bei der Periode
Natürlich ist auch Nachhaltigkeit bei der Periode ein Thema geworden, aber eben eines, dass noch nicht in die Mitte der Gesellschaft gefunden hat. Während bereits in den ersten Stunden der 1. Generation Beautyyoutuber damalige Größen wie magimania oder pseudoerbse im Jahre 2009 und 2010 ihrer Leserschaft auf dem Blog und ihren Zuschauern auf Youtube Menstruationstassen vorstellten, finden erst seit 2017 diese praktischen Cups auch ihren Weg in Deutschlands Drogerien.

Gänzlich unbekannt scheint auch zu sein, dass es nicht nur Menstruationscups gibt, sondern auch eben waschbare Binden. Eigentlich nichts Neues, sondern eher ein "Zurück in Omas Zeiten". Insbesondere Binden enthalten Plastik, Mikroplastik und allerlei Ressourcen, die eben nur begrenzt verfügbar sind. Da ist es nicht verwunderlich, dass es jetzt bereits wieder außerhalb der Waschbär-Läden eine Community gibt, die auch auf Unverpackt und Wiederverwendung bei der Periode setzt.

Der Ekelfaktor
Ob nun Binden, die man in der Waschmaschine wäscht oder  Menstruationstassen. Eine große Hemmschwelle scheint zu sein, dass das Blut nicht - wie sonst - aufgesogen wird, sondern man Konsistenz und Farbe in einer Menstruationstasse live miterleben kann. Eine meiner Menstruationstassen hat sogar Milliliteranzeige. Ich bin ja vieles gewohnt, aber das war selbst für mich etwas verstörend.
Aber ähnlich, wie man sich anfangs in der Jugend vor blutigen Tampons ekelt und später daran gewöhnt, ist es auch bei den Cups so, dass man einfach nach einem oder nach zwei Monaten total damit klarkommt. Manche leeren die Tasse im Klo und gucken gar nicht hin, manche machen es abends beim Duschen. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Da ich viel unterwegs bin, habe ich zwei Cups, so kann ich auch flexibel wechseln.

Die Vorteile an Menstruationstassen
Natürlich muss jeder für sich entscheiden, ob eine Tasse zu ihm passt oder nicht. Momentan nutze ich einen Selena Cup und einen facelle und muss gestehen, dass zwischen denen Welten liegen. Der letztere hat nur 9,99 Euro gekostet, ist bei weitem aber nicht so zuverlässig wie das andere Modell, dass ich für 24,99 Euro erworben habe. Wenn also Cup Nummer 1 nicht euer Ding war, dann versucht vielleicht noch eine zweite oder dritte Menstruationstasse, denn es gibt inzwischen eine große Auswahl für jede Lebenslage.

Nachteile hatte ich nur, wenn das Modell für meine Bedürfnisse nicht passte, sonst habe ich nur Vorteile: Das Tragegefühö zum Beispiel ist bei Menstruationstassen ein Traum. Während man bei Bewegung und Sport oft den Tampon unangenehm spürt, ist das bei einer Tasse nicht der Fall. Und man muss auch nicht darauf achten, ständig den Tampon zu wechseln, denn so eine Tasse hat durchaus 15 oder 20 ml Fassungsvermögen und kann den ganzen Tag getragen werden. Bei richtigen Einsetzen geht nichts daneben.

Natürlich ist eine Menstruationstasse nicht für jeden die perfekte Lösung, aber auf Dauer spart ihr Geld und schont Ressourcen, habt mehr Freiheit während eurer Periode und weniger unangenehme Begleiterscheinungen - also probiert es aus und macht euch selbst ein Bild. 


Photo by Jake Hills on Unsplash

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