Review: Flesh and Bone - von Traum und Albtraum des Balletts

Als Claire von zuhause flieht und mit ihren unschuldigen Rehaugen es auf Anhieb in eine große Company schafft, dann wirkt das nicht anders als die Cinderellastory bei Burlesque mit Christina Aguilera.
Aber diese Serie ist eher ein wenig Black Swan, der anstrengende und durchaus belastende und grausame Alltag  einer Tänzerin in einer Company. Selbstverletzung, Magersucht, Krankheit, sexueller Missbrauch psychischer Druck - alles Themen, die Teil dieser Serie sind und noch vieles mehr. Wer das nun liest, mag kaum glauben, dass die Serie nur acht Folgen in einer Staffel vereint.

Bei dem Titel könnte man auch eine Arztserie denken, denn  Flesh and Bone ist auch Titel eines Anatomielexikons.

Claire aus Pittsburg flieht von zuhause und schafft es auf Anhieb in eine renommierte Ballettcompagnie - das weckt natürlich den Neid anderer Mittänzerinnen, da der Konkurrenzkampf untereinander extrem groß ist. Insbesondere, als der Leiter der Company sie zum neuen Star machen möchte, verursacht das auch Probleme mit dem bisherigen Star Kira - die alternde Solistin und Star der Company hat alles, was sich Claire je erträumt. Aber ist verletzt, Schmerzmittel- und kokainabhängig.

Am Anfang wirkt die Story schon arg klischeehaft: 
Claire ist die Gute, man ahnt eine schlimme Dinge mit sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit. Und die Company, die zickigen Mittänzerinnen, ihre Mitbewohnerin Mia, Kira - alles sind Widrigkeiten, Feinde und Hindernisse auf dem Weg zum großen Ruhm - wie in einem modernen Heldenepos. Aber so einfach ist es nicht ...
Claire ist nicht nur die Gute, Kira nicht nur die Böse. All diese Charakter sind mehr als Karikaturen und die Serie schafft es in acht Folgen, mehr und mehr Tiefe in die Charaktere und deren Leidenswege zu gehen. Der Tanzalltag fordert Opfer undjeder bringt seine eigene Geschichte mit sich.

Langsam kommt für den Zuschauer - insbesondere bei der Hauptcharakterin - ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen. Und Claire ist gar nicht mehr die strahlende Heldin. Ich werde nicht Spoilern, aber an manchen Stellen fragt man sich: Ist es Missbrauch? Oder ist es etwas ganz Anderes. Telefonate, ein Besuch zu Hause ... mehr und mehr kommt die Vergangenheit ans Licht und der Grund, warum sie ihre einstige Company in Pittsburg verlassen musste.

Auch bei  der Ballett-Compagnie setzt die Serie auf Realismus - hier kommt es nicht auf die Kunst an, sondern auf Sponsoren und Gelder. Von manchen wird erwartet, dass sie auch einfach mit einem besonders wohlhabenden Sponsoren schlafen ohne zu murren. 

Wer auf  eine Tanzserie hofft, der wird zwar Tanz bekommen - aber im Vordergrund der Handlung steht das soziale Gefüge. Für mich als ehemaliges Theatermädchen zeigt die Serie dennoch ein realistisches Bild der Vorbereitungszeit zur Spielzeiteröffnung. Der Zuschauer sieht sonst nur das fertige Stück, aber im Vorbild gibt es oft viel böses Blut und es fließt auch die ein oder andere Träne. Die Serie zeigt die Höhen und Riefen, Triumph und Verzweiflung.

Natürlich strotzt die Serie voller Klischees, aber welche Serie tut das nicht. Der Charme ist, dies immer wieder zu durchbrechen. Vom Obdachlosen vor der Haustür bishin zum Soldatenbruder weiß die Serie uns immer wieder zu überraschen.
Die für mich berührende Szene war, als  eine Tänzerin, die nie wieder tanzen kann, im Krankenhaus zeitgleich mit der Premiere.

Photo by Gabriel Sanchez on Unsplash

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